Ayutthaya Epoche

Sukhothai - Epoche

Bangkok - Epoche

Kunst & Kultur

Aufstieg und Fall von Ayutthaya

Die erste Ansiedlung in diesem Gebiet geht auf das 11. Jahrhundert zurück, als die Khmer in der nähe des Wat Khudi Dao (nördlich des Bahnhofs von Ayutthaya) eine kleine Ortschaft als Vorposten ihres Reiches errichteten. Im 13. Jahrhundert eroberten die Thais das Land in der Menam-Ebene und kultivierten es. Ayutthaya und Lopburi wurde dem Fürstentum U Thong angegliedert, einem Vasallenstaat von Sukhothai. Eine verheerende Seuche im Jahre 1347 dezimierte U Thongs Bevölkerung um mehr als die Hälfte und veranlaßte die Fürstenfamilie U Thong zu verlassen. Der Fürst wählte das von Flußläufen umschlossene Ayutthaya zu seiner neuen Hauptstadt und gründete 1350 als König Somdet Phra Rama Thibodi I. der auch König U Thong genannt wurde, ein neues Königreich. 17 Jahre später (1367) annektierte er das Königreich Sukhothai , das wegen der Uneinigkeit über die Nachfolge von König Rhamkhamhaeng zu sehr geschwächt war. Dies war der Beginn der Entwicklung einer Stadt, die zu einem Zentrum eines der mächtigsten Staatsgebilde in ganz Südostasien wurde.

Unter König Thibadi II. wurde das zweite Königreich Siam auf das Herrschaftsgebiet der Khmer, des heutigen Kambodscha ausgedehnt, nachdem das Heer der Thais 1431 Ankor eroberten. Doch obwohl es Siam ist, welches das Reich der Khmer eroberte, verlief die kulturelle Beeinflussung in den darauf folgenden Jahrzehnten eher in umgekehrter Richtung. Die Khmer-Kultur mit ihren alten überlieferten Sitten und Gebräuchen beeinflußten das junge Königreich Siam in weitaus stärkerem Maße als siamesische Kultur und siamesische Sitten das vormalige Reich der Khmer. So übernahmen sie zum Beispiel die Sklaverei und das Konzept einer absoluten und göttlichen Monarchie.Tempelruinen von Ayutthaya

Über 400 Jahre war Ayutthaya Hauptstadt und religiöses Zentrum Siams. Die Geschichte dieser Stadt wurde von nicht weniger als 33 Königen bestimmt. Die ersten Europäer, die das Königreich besuchten, waren Portugiesen. Sie segelten im Auftrag ihres Vizekönig Alfonso dÀlbuquerque den Menam Chao Phraya hinauf, nachdem sie ein Jahr zuvor Malakka (im heutigen Malaysia) erobert hatten und hier das erste Mal von einem "König von Sayam in Ayuthia" hörten. Das Angebot der Portugiesen, dem Königreich Siam Feurwaffen und Schießpulver für einen Feldzug gegen die Burmesen zu liefern, fanden bei König Thibodie II. Gehör. Im Gegenzug wurden den Portugiesen Wohn- und Handelsrechte eingeräumt und die Ausübung der christlichen Religion erlaubt. Im Jahre 1511 wurde eine portugiesische Gesandtschaft eingerichtet, um den wachsenden Handelsbeziehungen Rechnung zu tragen. Danach folgten 1605 Holland, 1612 England, 1621 Dänemark und 1662 Frankreich. Die Europäer waren vom Glanz und Reichtum der Stadt überwältigt. Sie beschrieben die Stadt enthusiastisch als das Schönste, was sie je gesehen hätten. In dieser Zeit entwickelte sich Ayutthya als blühendes Kultur- und Handelszentrum. Viele europäische Handelskontore hatten hier ihre Niederlassungen. Zeugen dieser Zeitepoche sind noch heute sichtbar, so zum Beispiel die französische Kathedrale St. Joseph und die Grundmauern eines großen holländischen Handelshauses.

In der Zeit von 1531 bis 1550 regierte im Nachbarland Burma König Tabengshweti, der auch als fähiger Kriegskönig bezeichnet wurde. Ihm gelang die Vereinigung Burmas und damit verbunden, die territoriale Ausdehnung seines Reiches auf Gebiete, die dem heutigen Staatsgebiet Myanamars (Burma) in etwa entsprach. So eroberte er auch die Fürstentümer der Shan im Norden und der Mon im Süden. König Tabengshweti starb im Jahr 1550, nachdem man ihn vergiftete. Sein damaliger General und Schwager bestieg darauf als König Bhueng Noreng, (auch unter dem Namen Hanthawadi bekannt) den Trohn. Dieser war nicht weniger kriegerisch veranlagt als sein Vorgänger. 1556 erobern die Birmanen die Stadt Chiang Mai, das bis in das 18. Jahrhundert unter ihrer Kontrolle bleibt.

König Bhueng Noreng fällt im Jahre 1563 mit einem 200.000 Mann starken Heer wieder in das Königreich Siam ein und besetzt zunächst die Städte Pijai und Sawankalok. Die Thais schätzten jedoch die Kriegstaktik der Burmesen nicht richtig ein und es gelang den Burmesen ein Überraschungsangriff Ayutthaya. König Chakrapat von Ayutthaya wendete eine drohende Zerstörung der Stadt ab, indem er einen vom burmesischen König Bhueng Noreng diktierten Friedensvertrag akzeptierte. Trotz des Friedensvertrages hielten die kriegerischen Auseinandersetzungen in den folgenden Jahren an und nach zahlreichen erfolglosen Belagerungen Ayutthayas, gelingt es ihnen 1569, die Stadt zu besetzen, ohne sie aber zu zerstören. Der Sieg des burmesischen Königs und seines Verbündeten, Prinz Maha Tammaraja, wurde nur durch einen Verrat ermöglicht. Den Belagerern gelang es, Pijai Chakri, den die Burmesen 1563 als Geisel nach Burma entführt und während der Zeit seiner Gefangenschaft einer totalen Gehirnwäsche unterzogen hatten, eines Tages einfach vor den Toren Ayutthayas als entflohener Gefangener auftauchen zu lassen. Pijai Chakri erschlich sich das Vertrauen von Ayutthaya, indem er behauptete, es sei im gelungen aus burmesischer Gefangenschaft zu entfliehen. Er versicherte König Mahin uneingeschränkte Loyalität, worauf ihm kurze zeit später, die Verantwortung über einen Teil der Verteidigungsanlagen übergeben wurde. Pijai Chakri gab jedoch heimlich den Belagerern wichtige Informationen weiter und als die Burmesen zum Hauptangriff ansetzten, schwächte er im entscheidenden Moment  bewußt den ihm übertragenen Verteidigungsabschnitt, durch den schließlich die angreifenden burmesischen Truppen in die Stadt eindringen konnten. König Maha Tammaraja von Ayutthayas blieb nur noch das Los, Burma als Vasall zu dienen. Nach 15 Jahren kündigte Prinz Naresuan, mit Einverständnis seines Vater König Maha Tammaraja, den Burmesen das Vasallenverhältnis auf. Noch im selben Jahr marschierte eine burmesische Armee, deren Stärke auf 300.000 Mann geschätzt wurde, in Siam ein. Prinz Naresuan zog seine siamesischen Truppen aus dem Aufmarschgebiet der Burmesen zurück und hinterließ dem anrückenden Feind nur brennende Dörfer, Städte und verwüstete Felder. Die Taktik der verbrannten Erde schwächte die burmesische Armee, worauf sie sich erfolglos aus Siam zurückziehen mußten.

Als im Jahre 1655 König Prasattong von Ayutthaya stirbt, wird die Tronfolge wieder mit Waffengewalt entschieden. Nachfolger Prasattongs ist zunächst dessen ältester Sohn, Prinz Chao Fa Yai. Jedoch sein Onkel Prinz Srisutammaraja, und sein eigener Bruder, Prinz Narai, verschwören sich gegen Chao Fa Yai, entführen ihn und richten ihn hin.

Prinz Srisutammaraja wird daraufhin zum neuen König gekrönt, sein Verbündeter, Prinz Narai wird zum stellvertretenden König ernannt. Einige Monate später führte Prinz Narai, der schon zuvor keine Skrupel gehabt hatte, seinen eigenen Bruder hinzurichten, eine Palastrevolte gegen seinen zum König gekrönten Onkel an. Die Kämpfe im Palast dauerten mehrere Tage und endeten damit, daß der König hingerichtet wurde. Im Jahr 1656 wird Prinz Narai in Ayutthaya zum König gekrönt und das Land öffnete sich weit den westlichen Einflüssen. Aber dem König wurde bald darauf klar, daß die gastfreundlich aufgenommenen Europäer nicht nur den Handel in den Augen hatten, sondern auch militärische Ziele. Als im Jahre 1664 spanische Kriegsschiffe vor Bangkok in Stellung gehen und ihm ein für Siam ungünstiger Handelsvertrag aufgezwungen wurde, nutzte er die Anwesenheit französischer Missionare, die schon zu Beginn seiner Regierungszeit in Ayutthaya weilten, bei König Ludwig XIV von Frankreich Unterstützung zu erhalten. Kurz darauf verschwanden die spanischen Kriegsschiffe unter mysteriösen Umständen. Eine zweite siamesische Delegation, die 1684 in Versailles ankommt, wird huldvoll aufgenommen. Ein Jahr später schickte König Ludwig XIV. eine Gesandtschaft nach Siam, die von Chavalier de Chaumont geführt wird. Nach einem Jahr verläßt die französische Gesandtschaft das siamesische Königreich mit Schiffen, die mit wertvollem chinesischem Porzellan und anderen Abschiedsgeschenken beladen waren. Kurz darauf entsendete Frankreich eine neue Gesandtschaft unter der Leitung von Ceberet und de la Loubere, gefolgt von 1400 Soldaten. Der Adel Siams begegnete ihnen und dem grichischen Berater des Königs ( Konstantin Phaulkon) jedoch mit größten Mißtrauen. Eine Gruppe Adliger nutzte eine schwere Erkrankung Narais, unter Führung des Kommandeurs des königlichen Elefantenregiments (Prha Petraja), Konastantin Phaulkon wegen Hochverrats zu verurteilen und bei Lopburi hinzurichten. Prha Petraja ernannte sich 1688 selbst zum König von Siam und vertrieb darauf alle europäischen Ausländer aus seinem Königreich. Für die nächsten 130 Jahren blieb Siam westlichen Besuchern verschlossen.

Auf König Prha Petraja folgte 1732 bis 1758 König Boromakot. Unter seiner Regentschaft wurde Ayutthaya weiter ausgebaut und die Kunst und Kultur erreichte ihren höchsten Stand gegenüber anderen Kulturen Südostasiens. Obwohl es in den nördlichen Grenzregionen Siams wiederholt zu kleineren Drohgebärden der Burmesen kam, waren diese 32 Jahre die friedlichste Zeit Ayutthayas.

In den Jahren 1758-1760 entstand in Burma wieder eine mächtige Dynastie unter dem Fürsten Shwebo von Moksobo, dem späteren König Alaungsaya.

Im Jahr 1759 marschiert König Alaungsaya in Siam ein und erobert für Burma die Städte Tavoy, Mergui und Tenasserim die auf heutigen südburmesischem Gebiet liegen. Im Frühjahr 1760 belagert König Alaungsaya Ayutthaya. Der siamesische König Ekatat der den Führungs-Herausforderungen nicht gewachsen ist, bittet seinen jüngeren Bruder Utumbon vorübergehend die Regierungsgeschäfte und die Verteidigung zu übernehmen. Es ist aber nicht Utumpons Geschick, sondern ein Unfall im burmesischen Lager, der Ayutthaya rettet. König Alaungsaya zog sich schwere Verletzungen zu, als er selbst eine Kanone bediente und starb noch auf dem Rückzug nach Burma.

Im Juni 1765 begannen die Burmesen mit einer erneuten Invasion gegen Siam, aber diesmal mit zwei Armeen. Eine die über Chiang Mai nach Süden vordrang und die zweite die von Westen auf Ayutthaya zumaschierte. Im Jahr 1766 beginnen die Burmesen mit der Belagerung Ayutthayas. König Ekatat bietet seinem jüngeren Bruder Utumpon, wieder die Leitung der Regierungsgeschafte an, doch diesmal lehnte Utumpon ab. Nach einigen Wochen der Belagerung, gelang es einem General Ekatats (Chao Phaya Taksin), mit einer Truppe von rund 500 Mann den burmesischen Belagerungsring zu durchbrechen und aus Ayutthaya zu fliehen. Nach einer 15 Monate andauernden Belagerung fiel Ayutthaya am 7. April 1767 und König Ekatat mußte aus Siam fliehen. Die Burmesen zerstören alles, dessen sie habhaft werden konnten. Über eine Millionen Menschen starben durch die Hand der Burmesen. Tempel, religiöse Kunstwerke und wichtige Dokumente siamesischer Kultur und Geschichte wurden Opfer der Flammen. Um an das Gold der großen goldenen Buddastatuen zu gelangen wurden ganze Tempelanlagen bis auf die Grundmauern abgebrannt. Ziel war es, nicht wie 200 Jahre zuvor, das Königreich zu einem Vasallen Burmas zu machen, vielmehr sollte es völlig und für immer von der politischen Landkarte gelöscht sein. Als die Burmesen glaubten Ihr Ziel erreicht zu haben, zog sich König Mongra einen Monat später mit seinen Truppen zurück und stationierte nur eine kleine Besatzungstruppe in Siam. General Chao Phaya Taksin hielt sich in dieser Zeit mit seiner noch 500 Mann starken Armee im östlichen Siam versteckt. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Gouverneur der östlichsten siamesischen Provinz Chantaburi gelang es ihm wieder an die Macht zu kommen Am Ende des Jahres 1767 machte General Chao Phaya Taksin Thonburi zu seiner neuen Hauptstadt wo er sich als neuen König siams krönen ließ. Damit war das Schicksal Ayutthayas endgültig besiegelt.

Im März 1782 wurde König Taksin nach einer Revolte gefangen genommen, nachdem er angeblich wahnsinnig geworden sein sollte. Sein oberster General, Chao Phaya Chakri, eilte aus Kambodscha zurück nach Thonburi, aber nicht um den König zu befreien. Der Rat der Generäle beschloß die Hinrichtung des Königs, das sofort vollstreckt wurde. General Chao Phaya Chakri wird daraufhin zum neuen König Siams gekrönt. Dies war auch die Geburtsstunde der Chakri-Dynastie, die bis heute besteht.

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