| "Borínquen, Name eines angenehmen Gedankens, wie die Erinnerung an eine tiefe Liebe. Schöner Garten, Amerikas Schmuck..." |
Mit diesen Worten läßt José Gautier Benítez
seinen "Canto a Puerto Rico" beginnen. Und das
ist Puerto Rico auch für mich, ein schöner Garten und immer ein
angenehmer Gedanke. So vieles auf einmal findet sich hier,
glitzernde Großstädte ebenso wie einsame Strände,
Einkaufszentren ganz im us-amerikanischen Stil und unberührte
Mangrovenwälder. Wer im Restaurant neben dem Casino stilvoll
dinieren will, wird hier fündig, und der, der staunend eine Bar
aus den dreißiger Jahren entdecken möchte, auch.
Borinquen, das ist tropische Vegetation, Kletterpflanzen
auf jedem Telefondraht, Bananenplantagen und üppige
Bougainvillea-Büsche an den Gartenzäunen. Das ist feuchtheiße
Luft, die einen manchmal zu berühren scheint und selten lästig
wird: stets fächelt der Passatwind vom Meer sanfte Kühlung zu.
Wir durchqueren die Insel am späten Nachmittag.
In San Juan hat es geregnet, die Pfützen schillern in der
tiefstehenden Sonne. Über den Bergen grummelt es noch ein wenig,
neblige Schwaden hängen in den Gipfeln, die in mehr Grüntönen
glänzen als unsere Sprache dafür Worte hat. Violett erstrahlen
im Westen die letzten Wolken, orangerot blitzt die Sonne dahinter
hervor. Die Wolkenränder fangen Feuer, während der Horizont in
klarem Türkis aufleuchtet. Mein erster karibischer
Sonnenuntergang, schöner, als ich ihn mir jemals vorzustellen
wagte.
Das Licht wird weicher jetzt, und als wir uns Ponce nähern, der
zweitgrößten Stadt der Insel, ist es bereits dunkel. Ein
Lichterteppich breitet sich aus, hell die Innenstadt, glitzernd
die Wohnviertel weiter oben in den Hügeln. Nach weiteren zwanzig
Kilometern erreichen wir unser Ziel, das Copamarina Beach Resort,
wo uns gediegener Luxus erwartet, doch jetzt, im Oktober,
durchaus erschwinglich.